Sozusagen grundlos vergnügt

Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen

Und dass es regnet, hagelt, friert und schneit.

Ich freu mich wenn die Steine glühen.

Dass Wasser zischt und Licht erlischt,

Dass Sterne leuchten und Tücher feuchten.

Dass Kehlen singen und Seelen schwingen.

 

Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht

Und dass die Sonne täglich neu aufgeht.

Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,

Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter.

Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.

Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!

 

Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.

Ich freue mich vor allem, dass ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter:

Der Platz gekehrt. Die Eimer gelehrt.

Die Decken gefalten. Das Holz gespalten.

 

An solchem Tag erklettert man die Leiter,

Die von der Erde in den Himmel führt.

Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,

– Weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben.

 

Ich freu mich und rufe aus „Wir sind verwandt!“

Die Spirits haben diese Botschaft gesandt.

Und weil die alten Leeren uns was bedeuten,

freu ich mich auch mit den Zwergen, den Elfen und den kleinen Leuten.

Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne

Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.

Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!

Ich freu mich, dass ich . . . Dass ich mich freu.

 

Aho, Mitakuye Oyassin.

 

Holger Scholz frei nach: Mascha Kaléko: In meinen Träumen läutet es Sturm.

© 1977 dtv Verlagsgesellschaft, München.